Orthoptik
Von E. Koller und Prof. Dr. med. W. Bernauer
Was ist Orthoptik?
Das Wort Orthoptik kommt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus: ortho(s) = richtig und opsis = sehen. Die Orthoptik beschäftigt sich also mit dem "richtigen Sehen", das heisst mit dem Erkennen und Behandeln von Schielen (=Strabismus), Schwachsichtigkeit (=Amblyopie), Problemen des beidäugigen Sehens und von Funktionsstörungen der Augenmuskeln.
Aufgabengebiet
In Zusammenarbeit mit dem Augenarzt nimmt die Orthoptistin folgende Aufgaben wahr:
- Selbständiges Untersuchen der Augenstellung und Quantifizieren des Schielwinkels, der Augenbeweglichkeit, der Sehschärfe und der Koordination beider Augen.
- Festsetzen und überwachen der therapeutischen Massnahmen, wie zum Beispiel die Abdecktherapie bei Amblyopien oder das Anpassen einer prismatischen Korrektur zum Ausgleich des Schielwinkels.
- Prüfung des Gesichtsfeldes, sowie Farbsinnprüfung.
Wann ist eine orthoptische Abklärung angezeigt?
- bei Kindern im Vorschulalter mit angeborenem oder erworbenem Schielen
- bei Wahrnehmung von Doppelbildern
- bei Schwachsichtigkeit
- Augenzittern (=Nystagmus)
- Sehstörungen beim Lesen, Schreiben oder bei Bildschirmarbeit
Wie wird Schielen behandelt?
Schielen ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern kann zu erheblichen Sehstörungen führen. Nur selten wird die Schielproblematik durch eine ernste Allgemeinerkrankung verursacht. Das kindliche Schielen ist häufig die Folge einer nicht erkannten Fehlsichtigkeit. Ohne Behandlung entwickeln fast alle schielenden Kinder eine einseitige Sehschwäche (Amblyopie). Dabei spielt die Grösse des Schielwinkels keine Rolle. Auch ein kosmetisch unauffälliges Mikroschielen kann zu einer erheblichen Sehschwäche führen.
Das erste Ziel einer Schielbehandlung ist es, auf beiden Augen eine gute Sehschärfe zu erreichen. Im Laufe des Lebens kann nämlich ein Auge durch Unfall oder Krankheit bleibend geschädigt werden, so dass das eigentlich schwächere Auge die volle Funktion übernehmen muss. Je früher die Behandlung einsetzt, umso besser sind die Chancen auf Heilung. Mit Beginn des Schulalters sinken diese erheblich. Wird eine Sehschwäche zu spät entdeckt (nach dem 10. Lebensjahr), bleibt sie zeitlebens bestehen.
In einigen Situationen ist eine Schieloperation sinnvoll. Das Ziel eines solchen Eingriffes ist die kosmetische Verbesserung des Schielens. Durch die Operation lässt sich der Schielwinkel verkleinern. Der Eingriff hat jedoch keinen Einfluss auf die Sehschwäche (Ambloypie) und macht meist auch die Brille nicht überflüssig. In einigen Situationen kann mit der Schieloperation eine qualitative Verbesserung des beidäugigen Sehens erzielt werden.


