Grauer Star
Von Prof. Dr. med. W. Bernauer
Die Operation des grauen Stars ist der weitaus häufigste chirurgische Eingriff in der Augenheilkunde. Auch von uns wird diese Operation häufiger als alle anderen Eingriffe am Auge durchgeführt.
Wie wird der Graue Star behandelt?
Wann sollte der Graue Star operiert werden?
Was geschieht bei der Kataraktoperation?
Wie sind die Erfolgsaussichten bei der Kataraktoperation?
Als Grauen Star oder Katarakt bezeichnet man die Eintrübung der ursprünglich klaren Augenlinse (Bild 1). Die Linse stellt einen wesentlichen Teil des Abbildungssystems des Auges dar (Bild 2). Normalerweise ist sie klar und durchsichtig. Treten Trübungen auf - was nach Verletzungen oder Entzündungen, bevorzugt aber im höheren Lebensalter der Fall ist -, lässt die Sehschärfe nach: Es entsteht ein trübes Abbild der Umwelt. Ausserdem kommt es zu einer erhöhten Blendungsempfindlichkeit, weil das ins Auge fallende Licht durch die Linsentrübung gestreut wird und so stärker lichtempfindliche Regionen des Auges reizt. Beim sogenannten Altersstar trübt sich die Augenlinse meist sehr langsam, was mit sich bringt, dass den Betroffenen die Sehverschlechterung oft nicht bewusst wird.
Wie wird der Graue Star behandelt?
Die Erwartungen, die in "Augentropfen gegen den Grauen Star" gesetzt wurden, konnten von keinem der Medikamente erfüllt werden. Wenn sich die anfängliche leichte Linsentrübung verdichtet, ist eine Operation die einzige Behandlungsmöglichkeit. Sie führt so gut wie immer zum Erfolg - mit äusserst geringer Belastung für den Patienten, zumal der Eingriff in aller Regel schmerzlos ist.
Wann sollte der Graue Star operiert werden?
Der Zeitpunkt der Operation hängt von den Sehanforderungen ab. Fühlt sich der Patient den täglichen Sehaufgaben gewachsen, ist keine Eile geboten. Bei Autofahrern gelten aber andere Massstäbe als das subjektive Gefühl: "Ich sehe eigentlich noch ganz gut". Vorallem ältere Autofahrer sollten deshalb regelmässig beim Augenarzt prüfen lassen, ob ihr Sehvermögen zum Führen eines Fahrzeuges ausreicht. Ein blosser Sehtest ist in diesem Zusammenhang nicht genügend aussagekräftig: Es sollten die Augen selbst und auch die Blendungsempfindlichkeit untersucht werden.
Was geschieht bei der Kataraktoperation?
Bei der Operation des Grauen Stars wird die getrübte Linse entfernt und eine Kunststofflinse implantiert. Die Augenlinse liegt unmittelbar hinter der Pupille und besteht aus mehreren Teilen (Bild 2). In der Mitte liegt ein sich im Laufe des Lebens verhärtender Kern und um ihn herum die weichere Rinde. Die gesamte Linse wird von der Linsenkapsel umschlossen, die mit elastischen Fasern – den Zonulafasern – am Strahlenkörper des Auges hinter der Regenbogenhaut aufgehängt ist. Bei der Staroperation wird heute nicht mehr die gesamte trübe Linse aus dem Auge entfernt, sondern die Linsenkapsel wird nach Möglichkeit im Auge belassen. Bei der heute häufigsten Form der Staroperation, der Phakoemulsifikation, wird über einen sehr kleinen Schnitt die Linsenkapsel vorne scheibenförmig eröffnet, der härtere Linsenkern mit Ultraschall verflüssigt und anschliessend zusammen mit der weicheren Linsenrinde abgesaugt (Bild 3).
In die verbleibende Linsenkapsel wird anschliessend eine kleine Kunststofflinse (Bild 4) eingepflanzt und so der optische Fehler wieder ausgeglichen, der durch die Linsenentfernung entstanden ist.
Der für den Eingriff notwendige Hornhautschnitt kann dank der Entwicklung sehr kleiner und zum Teil auch faltbarer Intraokularlinsen so klein gehalten werden, dass er sich selbst verschliesst und eine Naht nicht mehr notwendig ist. Schon kurz nach der Operation besteht beim Patienten - vorausgesetzt dass keine anderen Augenkrankheiten vorliegen - wieder die volle Sehschärfe.
Wie sind die Erfolgsaussichten bei der Kataraktoperation?
Mit den heutigen Verfahren ist die Komplikationsrate der Staroperation sehr gering. Mehr als 90% aller Patienten sehen nach dem Eingriff wesentlich besser. Doch mit diesem guten Ergebnis ist leider nicht zu rechnen, wenn ein Patient zusätzlich zum Grauen Star von einer anderen Augenkrankheit betroffen ist. Die Alterskrankheit der Netzhautmitte (Makuladegeneration), die diabetische Netzhauterkrankung, ein fortgeschrittener grüner Star (Glaukom), oder einer Durchblutungsstörung des Sehnerven sind solche einschränkende Erkrankungen. Infolge der höheren Lebenserwartung nehmen solche Mehrfacherkrankungen zu. Deshalb kann erst nach gründlicher Untersuchung durch den Augenarzt voraus gesagt werden, welche Verbesserungen die Operation bringen kann.





